Ursprung und Geschichte des Eurasiers

  

Meinungsverschiedenheiten - Die Spaltung der "Eurasiergemeinde"

 

Die Hüftgelenkdysplasie (HD) wurde „entdeckt". Erste Röntgenuntersuchungen wurden durchgeführt, mit teils schlechten Ergebnissen. Die wenigen Befunde ließen natürlich noch keine Gesamtbeurteilung der Populationsbelastung zu. Aber genau das wurde von Julius Wipfel versucht. Leider kam es zu panischen Überreaktionen, worunter Charlotte Baldamus besonders zu leiden hatte und obwohl die direkt im Jägerhof stehenden Zuchttiere nicht betroffen waren, wurde die Züchterin mit Pauschalvorwürfen überhäuft, ihrer Privilegien entledigt und mit einem Zuchtverbot belegt. Diese Vorgehensweise hat sie sehr schwer getroffen und sie beschloss die Zucht aufzugeben. Das konnte nun wieder Dr. Schmidt nicht einsehen. Er erkannte schon 1971 wie weit der Zuchtstand im Jägerhof gediehen war und wollte nicht zulassen, dass dieses züchterische Werk unvollendet bleibt. Schmidts persönliche Vermittlungsversuche mit dem Hause Wipfel scheiterten und so sah er nur noch die Möglichkeit einer neuen Vereinsgründung mit dem Zweck, die hervorragende Zuchtarbeit von Charlotte Baldamus weiter zu führen. So verdanken wir es der Initiative und Überzeugungskraft von Dr. Werner Schmidt, dass vor 30 Jahren, am 4. August 1973 im Haus Nr. 7 in Mittelberg, auf dem Mittelberg (oberhalb von Moosbronn bei Gaggenau im Nordschwarzwald) die Zuchtgemeinschaft für Eurasier gegründet und in das Vereinregister Starnberg eingetragen wurde.

 

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Damit war die Fortsetzung der Jägerhof-Zuchtarbeit möglich geworden. Charlotte Baldamus lebte wieder auf, stürzte sich förmlich in die Vereinsarbeit und führte die Zucht - eigentlich den ganzen Verein - mit der ihr eigenen Energie und Autorität.

 

Es bleibt noch zu erwähnen, dass Julius Wipfel sich fünf Jahre später vom Eurasierklub Weinheim (EKW) trennte und die "Kynologische Zuchtgemeinschaft" (KZG) gründete. Das Unrecht, welches Charlotte Baldamus zuteil wurde, konnte bald wieder gutgemacht werden; der EKW suchte wieder die Annäherung zur ZG und eine fruchtbare Zusammenarbeit begann. 1982 wurde Charlotte Baldamus sogar von der Delegiertenversammlung des Partnervereins EKW einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt, was sie dankend annahm. Eine Ehrenmitgliedschaft im eigenen Verein lehnte sie allerdings mit der Begründung ab, dafür sei sie noch nicht alt genug…

 

Auch die drei Vereine fanden wieder zur Zusammenarbeit, durch gemeinsame Treffen, Symposien und sonstige Veranstaltungen. Mal war die Bindung enger, mal distanzierter - aber man konnte immer mit einander reden und Zuchttiere austauschen. Das war gut so, denn alle hatten sehr ähnliche Probleme - schon wegen der identischen Herkunft unserer Eurasier.

 

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Die EDV wurde in der ZG vergleichsweise sehr früh eingeführt und ständig ausgebaut. Frau Baldamus führte ein handgeschriebenes, umfassendes Eurasier-Archiv, das bis 1959 zurückreicht. Es war die Pionierleistung von Helmut Geppert, diese Daten und Aufzeichnungen mit Charlotte Baldamus zusammen in eine speicher- und auswertbare Form und Struktur zu bringen. Es entstand eine Datenbank, ein "Super-Karteikasten", der nicht nur Zuchtbuchdaten enthielt, sondern auch zuchtrelevante Informationen, die später die Zuchtplanung in der stets wachsenden Population erheblich erleichterte. Bereits 1996 wurden mit dem EKW Daten ausgetauscht.

 

Auf Initiative von Frau Aach (Hauptzuchtleiterin der ZG von 1991 bis 2011) wurde die Datengemeinschaft zur Internationalen Föderation für Eurasierzucht (IFEZ) erweitert, der sich inzwischen 7 Europäische Klubs angeschlossen haben. Den Mitgliedern stehen heute ca. 10.000 Datensätze mit zuchtrelevanten Hundedaten, zurückreichend bis 1959/60, zur Verfügung.