Nachruf auf Elfriede Wipfel

Wir trauern um Elfriede Wipfel, deren Ehemann Julius Wipfel als Vater der Eurasierzucht gilt. Elfriede Wipfel verstarb im Alter von 92 Jahren am 22. April 2015 und wurde wunschgemäß im engsten Familienkreis beigesetzt. Unsere tiefe Anteilname gilt den Angehörigen und Freunden der Familie.

 

Elfriede und Julius Wipfel waren im Hinblick auf ihre gemeinsamen Ziele ein gutes Team. Wir verdanken ihnen die Existenz der Rasse „Eurasier“. Möglicherweise war es sogar sie, die den ersten Impuls gesetzt hat: In einem Sonderheftchen „20 Jahre (1960-1980) Eurasierzucht“ fand ich nämlich den bemerkenswerten Satz von Julius Wipfel:

 

„Bei einer unserer unzähligen Unterhaltungen sagte meine Frau ganz einfach, wie es Frauen so tun: 'Züchten wir doch für uns allein einen Hund so ähnlich wie der Kanadier und unsere Bella.' Inzwischen habe ich ihr verziehen, denn sie wusste nicht, was sie damit auslöste."

 

Wir wissen, was Elfriede Wipfel damit ausgelöst hatte: Die systematische Zucht des „Wolf-Chow“, den wir heute „Eurasier“ nennen. Wer es nicht weiß: Der oben genannte „Kanadier“ war ein von Truppen zurück gelassener nordischer Hund mit einem bemerkenswert selbstbewussten Charakter und einem faszinierenden Verhalten, dem die schöne Wolfspitz-Hündin „Bella“, trotz anderer Vorzüge, nicht das Wasser reichen konnte.

Ehep.Wipfel1965 ArchivAM

 

Elfriede Wipfel hat ihren Mann bei der Umsetzung seiner ehrgeizigen Zuchtziele ganz selbstverständlich aktiv und tatkräftig unterstützt. Wahrscheinlich hatte gerade die vereinte Willenskraft - trotz vieler widriger Umstände - das Fundament erstellt, auf dem letztlich die gesamte Eurasierzucht aufgebaut hat.

 

Vielleicht - der Vergleich darf unter Hundefreunden erlaubt sein - verhielt es sich so wie bei einem guten Eurasier-Gangwerk, bei dem ein gutes Zusammenspiel der Vorder- und Hinterhand die Harmonie ausmacht. War sie die „Vorderhand“, die lenkt, führt und derbe Unwegsamkeiten geschickt auffängt und ausfedert und er die „Hinterhand“, die mit viel Energie für kraftvollen Schub und die nötige Sprungkraft sorgte?

 

2012 wurde Elfriede Wipfel mit der Baron-von-Gingins-Gedächtnismedaille ausgezeichnet. Es ist die höchste Auszeichnung, die der VDH zu vergeben hat. Sie wird verliehen für hervorragende Leistungen, die die Rassehundezucht maßgebend beeinflusst haben.

 

Elfriede Wipfel verdient einen Ehrenplatz unter den Eurasier-Idealisten der ersten Stunde. Wir sind ihr zu großem Dank verpflichtet. Die Eurasier-Welt wird sie nicht vergessen.

 

(Für die Zuchtgemeinschaft Alfred Müller; bearbeitet von Dr. Witte)