J - wie Jagdtrieb

Jagdtrieb        

 

In der Rassebeschreibung heißt es, der Eurasier habe nur wenig Jagdtrieb. Und wer mal einen Husky in voller Fahrt erlebt hat oder mitansehen hat, mit welcher Besessenheit schon ein halbwüchsiger Deutsch Drahthaar Spuren verfolgt, der wird den Jagdtrieb der meisten Eurasier erträglich finden. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie einem flüchtenden Hasen nur hinterhersehen. Vergessen wir nie, dass Eurasier – wie alle anderen Hunde – die Nachfahren der Wölfe sind, und für die war Jagderfolg überlebenswichtig.

Wie stark die Jagdleidenschaft eines Eurasiers entwickelt ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum Einen ist da die Genetik. Jagdtrieb ist zu einem hohen Anteil erblich. Das haben sich Hundezüchter von jeher zunutze gemacht und haben je nach Bedarf den Jagdtrieb oder Teile davon züchterisch gefördert oder auch unterdrückt und so Hunderassen fürs Stöbern, Buschieren, für die Meutejagd oder auch vieles andere geformt.

Bei Eurasiern ist dieser genetische Anteil des Jagdtriebs meistens gering ausgeprägt, doch hin und wieder gewinnt das Erbe des Chow-Chows die Oberhand, und dann begegnet man auch unter Eurasiern leidenschaftlichen Jägern.

Doch Genetik ist nicht alles. Ein beträchtlicher Anteil der Jagdleidenschaft ist das Resultat komplexer Lernvorgänge. Schon bei einem Welpen kann unbeabsichtigt der Jagdtrieb gefördert werden, wenn er bei Jagdspielen Erfolg hat. Jagt er zum Beispiel Blättern hinterher, die der Wind vor ihm hertreibt und erwischt sie schließlich auch, dann „belohnt“ er sich damit quasi selbst – und findet immer mehr Gefallen an dieser Art Spiel.

Je weniger erfolgreich er bei Jagdspielen ist, desto uninteressanter werden sie für ihn. Die Aufgabe des Hundebesitzers besteht darin, genau dafür zu sorgen: Jagdspiele müssen uninteressant, geradezu reizlos werden – auf Fälle aber viel uninteressanter als alles, was Frauchen oder Herrchen zu bieten haben.

Gute Übungen sind Abrufen mit langsam zunehmenden Entfernungen, erst mit und dann ohne Leine in reizarmer Umgebung; Apportieren; Ablenken von einem Objekt (glücklicherweise sehen wir das Objekt der Versuchung meistens früher als unser Hund). Und folgt der Hund unserer Aufforderung, wird er begeistert mit Spielzeug oder Futter empfangen. Jede positiv ausgeführte Aktion wird überschwänglich bewundert und belohnt. Negative Ausführungen aber werden ignoriert (Nicht-beachtet-werden ist für den Hund auch Strafe).

 

Um auf die ganz sichere Seite zu gelangen ist eine gute Bindung zwischen Mensch und Hund unerlässlich. Für den Kleinen wird es existenziell wichtig, dass sie, die Leitwölfe, sein Tun und Lassen gut finden. Besteht aber diese Bindung nicht, wird er womöglich lernen, sich mit ihrem Unwillen zu arrangieren, wenn er wieder mal von einem Ausflug zurückkehrt.