O - wie Ohrenstellung

Ohrenstellung

Unsere Hunde sprechen kein Deutsch – Mimik, Gestik und Körpersprache sind ihre Verständigungsmittel, mit denen sie präzise und eigentlich unmissverständlich Gemütslagen, Wünsche und Absichten zum Ausdruck bringen.

 

Leider macht es uns Menschen oft große Mühe sie zu verstehen, zum einen, weil die Momente, in denen ein bestimmter Ausdruck zu sehen ist, nicht selten wirklich nur einen winzigen Augenblick andauern, zum andern, weil Fehldeutungen vorprogrammiert sind, wenn wir nicht alle Ausdrucksmerkmale, also auch Körperhaltung und Gesichtsmimik, gleichzeitig berücksichtigen.

 

Ein Eurasier mit seinen deutlichen Stehohren und seiner klar erkennbaren Mimik hat natürlich ganz andere Ausdrucksmöglichkeiten als ein Hund mit Hängeohren und langem Gesichtsfell.

 

Auch dies gilt es zu beachten:

In normaler, entspannter und freundlicher Haltung sind die Ohren aufgerichtet. Wird der Hund auf irgendetwas aufmerksam, richtet er die Ohren zur Reizursache hin, bereit zu reagieren.

 

Hält der Reiz an oder wird stärker, steigt auch die Spannung und nicht nur die Ohren sondern der ganze Hund wendet sich dem Reiz zu. Unser Hund ist jetzt sehr wachsam. Er versucht die Situation einzuschätzen und ist erregt. Starrt er seinen Gegner auch noch an, kann es zum Angriff kommen.

 

Möglicherweise gewinnen aber auch Unsicherheit und schließlich Angst die Oberhand. Dann werden die Ohren nach hinten gelegt. Ein verängstigter Hund legt die Ohren so flach an den Kopf, dass man sie kaum mehr sieht und er quasi zum Kein-Ohr-Hund wird. Dieser Hund kann aus Angst beißen, wenn man sich ihm nähert.

 

Ebenso flach nach hinten an den Kopf legt ein Hund seine Ohren aber auch dann, wenn er eine Konfrontation vermeiden und beschwichtigen will. In so einer Konflikt-Situation leckt er oft mehrfach über die Schnauze; er „züngelt“. Außerdem wendet er demonstrativ den Blick ab, so als wolle er um jeden Preis den Eindruck vermeiden, er habe gestarrt und damit Angriffsbereitschaft signalisiert.

 

Geht es einem selbstbewussten Hund darum, einen Konflikt aus der Welt zu schaffen, wird er zwar ebenfalls demonstrativ wegsehen, wird die Ohren aber nicht platt an den Hals drücken sondern sie so stellen, dass die Öffnungen rechts und links zur Seite zeigen.

 

Diese Beispiele zeigen deutlich, dass nicht ein Merkmal isoliert betrachtet werden darf, sondern das gesamte komplexe Ausdrucksverhalten im Zusammenspiel gewertet werden muss.

 

 

Unsere Hunde scheinen übrigens bessere Beobachter zu sein als wir:

 

Bereits vor mehr als 5 Jahren haben Forscher des Max-Planck-Instituts entdeckt,dass Hunde sogar die Mimik eines Menschen deuten können.

Dazu sind nicht einmal die uns doch viel näher verwandten Affen fähig!