Fotokurs Teil 4

 

Eurasier in der Bewegung   

 

von Dr. Thomas Post

(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors)

 

 

Nachdem Herr Müller schon sehr ausführlich die technischen Grundlagen und den Bildaufbau eines gelungenen Eurasierfotos beschrieben hat (siehe Fotokurs Teil 1 - 3), soll es nun um die recht anspruchs- aber auch immer eindrucksvollen Bewegungsbilder gehen. Das Ganze ist eine Sache für den fortgeschrittenen Hobbyfotografen und den, der es werden möchte.

 

Zunächst gilt es ein paar Voraussetzungen zu erfüllen:

 

Zunächst zum Hund: Er sollte Lust auf Bewegung haben und gut zu motivieren sein. Hunde haben genau wie wir eine Tagesform und zeigen zuweilen nicht die volle Kraft und Schönheit der Bewegungen, derer sie fähig sind. Wählen Sie einen Tag, an dem die Laune auf beiden Seiten bestens, das Wetter strahlend (Lichtverhältnisse, siehe Müller), die ausreichende Zeit vorhanden und die Motivation gegeben ist.

 

Dann zu den "Accessoires" sprich, dem "Assistenten". Sie sollten auf Ihre Fototour eine dem Hund vertraute Person mitnehmen, die Ihnen bei der Umsetzung Ihrer Bildidee hilft. Zweckmäßigerweise lassen sich hierfür Ehefrauen requirieren, die sich die Manteltaschen mit Leckerchen füllen sollten.

 

Jetzt zum Fotografen: Am Anfang eines Bildes steht die Idee. Was möchten Sie fotografieren? Was ist Ihr Hund für ein Typ? In welcher Pose gefällt er sich (und Ihnen) am besten? Diese Posen sind nicht nur für ihn charakteristisch und besonders typisch, er wird sie auch gerne und oft einnehmen.

 

Zunächst einmal sollten Sie Ihren Hund immer wieder beobachten, um das Gefühl für diesen "richtigen Moment" zu bekommen. So entwickeln Sie eine gute Beobachtungsgabe und das Wissen darum, wann der Hund wahrscheinlich wie reagieren wird.

 

Von jener Idee kann man zwar auch spontan abweichen, wenn der Hund etwas besonders Attraktives tut, was nicht in dieses "Vorhaben" passt, aber man erkennt schneller den richtigen Moment, wenn man vorher schon weiß, was man festhalten möchte. Sonst ist allzu rasch, noch ehe man reagieren konnte, der richtige Moment schon vorbei. Eine zweite Methode ist es, ständig vor dem inneren Auge eine kleine "Bibliothek" besonders attraktiver Posen zu haben, um dann, wenn sie sich ergeben, schnell am Auslöser zu sein.

 

Nicht jedes "Einzelbild" einer Bewegung ist gleichermaßen attraktiv! Die nebenstehende Bildreihe veranschaulicht das. So mag zwar der Moment, wo beim Hund im schnellen Galopp das ganze Körpergewicht auf dem Vorderlauf lastet, wissenschaftlich faszinierend sein, schöner und ästhetischer ist aber jener Augenblick, wo er vollständig in der Luft gestreckt ist oder mit den Hinterbeinen abspringt. Versuchen Sie, sich auf diese besonders attraktiven Posen zu konzentrieren!

 

       

 

Man sucht sich zunächst eine Stelle in freier Natur ohne hässlich störende Hintergrundbauten und viel Ablenkung durch Passanten und befreit den Hund von seinem bunten "Balkencode" (sprich, der Halskette samt Hundemarke, die andernfalls einen unschönen Felleinschnitt mit sich bringen kann - Sie haben bei Ihrem wohlerzogenen Hund doch wohl kein Problem damit???).

 

Das Bewegungsbild ist deshalb schwierig, weil man sehr schnell reagieren muß und trotzdem die technischen Details wie Wahl des richtigen Bildausschnittes, Lichtverhältnisse und Bildschärfe nicht außer Acht lassen darf.

 

Je mehr dieser technischen Einstellungen bereits im Vorfeld vorgenommen werden können, umso eher werden Sie in der Lage sein, sich auf das Auslösen im richtigen Moment zu konzentrieren. Nehmen wir einmal an, Sie wollen Ihren rennenden Hund fotografieren. Dies wird Ihnen leichter fallen, wenn der Hund parallel zur Kamera läuft und nicht von Ihnen weg oder auf Sie zu. Führen Sie sich vor Augen, dass ein Hund, der mit voller Geschwindigkeit etwa 20 km/h rennt, pro Sekunde ca. 5 m zurücklegt, Ihnen also in der Zeit, die Sie für Ihre Reaktion brauchen, schon weit aus dem Bild gelaufen ist.

 

Sie machen also zunächst einmal Ihre Kamera schussbereit (geladene Akkus und reichlich Filme haben Sie ja dabei?). Zuerst zum richtigen Objektiv: Da der Hund in unterschiedlich weiter Entfernung herumrennen wird, empfiehlt sich die Wahl eines lichtstarken Tele-Zoomobjektives (Sie wollen ja kein Hundesuchbild produzieren und z.B. eine winzige Silhouette mit Kondensstreifen am Horizont fotografieren).

 

Bei der Blende ist folgendes zu beachten: Ideal sind Brennweiten von 80-200 oder, falls vorhanden, mehr. Ich wähle dabei schon im Voraus eine möglichst große Blende (z.B. 2,8), um damit schnelle Auslösezeiten zu erhalten. Die Schärfentiefe ist in diesem Fall auch bei offener Blende meistens aufgrund der Telewirkung und der Entfernung ausreichend - der Hund wird scharf, der Rest der Umgebung darf durch Unschärfe in den Hintergrund treten. Wenn Sie eine Kamera mit Belichtungsautomatik benutzen, was zu empfehlen ist, dann wäre hier eine Einstellung auf eine feste Blende mit variabler Zeit empfehlenswert.

 

Die Belichtungszeit hängt dann vor allem von der Filmempfindlichkeit ab. Die meisten meiner Bewegungsfotos entstehen mit Belichtungszeiten von 1/1000 bis zu 1/4000, einzelne sogar bis zu 1/16 000. Dazu braucht man, gute Lichtverhältnisse vorausgesetzt, einen empfindlichen Film, z.B. 400 oder 800 ASA. Damit das Bild nicht zu körnig wird, sollte man eine beste Filmqualität wählen. Ich verwende als Diafilm z.B. den Fuji provia F 400.

 

Nun aber genug der "Vorarbeit: Und Action! Sehr hilfreich ist jetzt der Einsatz der Begleitperson, die den Hund zur Bewegung motiviert.

 

Sie erinnern sich noch, jetzt heißt es in die Hocke gehen, da Sie ja keines dieser Fotos erzeugen wollen, bei denen Ihr Hund aussieht wie eine lange Wurst auf kurzen Stummelbeinen. Im Normalfall sollte sich die Sonne hinter Ihnen befinden. Auch Gegenlicht- oder Streiflichtaufnahmen mit einer seitlichen Lichtquelle haben natürlich ihren Reiz, probieren Sie es einfach aus.

 

Folgende Motive bieten sich an:

 

1. Sprungfotos:    Hier ist der Moment am ästhetischsten, bei dem der Hund noch im Steigen kurz nach dem Absprung sich befindet, aber bereits alle Pfoten oder zumindest die Vorderpfoten in der Luft hat. Am günstigsten ist eine Aufnahmeposition von vorne oder leicht von der Seite (siehe Beispiel). Der ganze Hund sollte vollständig zu sehen sein und im Idealfall wird der Bildausschnitt so gewählt, dass in Sprungrichtung des Hundes etwas mehr Platz ist als hinter ihm. Der Sprung wirkt umso höher und dramatischer, je tiefer Sie dabei in die Knie gehen. Schön sieht es auch aus, wenn die Absprungposition des Hundes etwas höher liegt als der Punkt, wo er aufkommen wird.

 

 

Ganz praktisch heißt das: Sie wählen also einen Graben o.ä., der den Hund gesundheitlich nicht überfordert (er hat doch gesunde Gelenke?), Ihre Begleitperson geht mit dem Hund auf die andere Seite in eine Entfernung, aus der der Hund gut Tempo aufnehmen kann, also nicht zu nah beim Fotografen liegt. Sie gehen in die richtige Position, wählen als Bildausschnitt etwa die Stelle, an der Ihr Hund abspringen wird und rufen ihn.

 

2. Bewegungsstudien:    Attraktiv sind solche Motive, bei denen der Hund entweder gerade oder leicht diagonal von vorne auf Sie zuläuft oder bei denen er sich parallel zum Kameramann bewegt. Bei Ersterem ist es manchmal schwerer, ein scharfes Foto zu bekommen. Bei Zweiterem müssen Sie dafür mit dem laufenden Hund mitziehen, hier liegen die Schwierigkeiten eher darin, einen guten Bildausschnitt zu bekommen, bei dem nichts Wichtiges "abgeschnitten" wird. Wenn der Hund direkt von Ihnen wegläuft, ergibt das nur selten ein attraktives Motiv. Beim seitlich aufgenommenen Hund sollten Sie sich eher auf die Momente des Laufens konzentrieren, bei denen der Hund mit den Vorderbeinen in der Luft ist und die Kraft aus der Hinterhand holt oder wenn er vollständig gestreckt ist. Die Momente, bei dem der Hund als "Rennkugel" mit den Hinterbeinen vor die Vorderbeine setzt oder wenn er die Hinterbeine hochwirft und vorne aufkommt, sind als Foto weniger ausdrucksvoll.

 

Ganz praktisch heißt dies: Sie suchen sich die richtige Position. Ihre Begleitperson hat den Hund hingesetzt, sagt ihm, er soll warten und entfernt sich langsam von ihm (Sie sehen, der Erziehungsgrundkurs trägt jetzt Früchte!). In einer bestimmten Entfernung von ca. 50 m, (damit der Hund genug Schwung holen kann), ruft sie den Hund unter Herausziehen eines Leckerchens, eventuell hilft auch schnelles Weglaufen. Der Hund wird begeistert auf die (vertraute!) Person zurennen, dabei Tempo aufnehmen und - Click! - dies ist IHR Moment.

 

3. Gemeinsames Spiel: Hier müssen Sie gleich zwei oder mehrere Hunde im Auge behalten, was einen wiederum erhöhten Schwierigkeitsgrad bedeutet, je schneller und oft auch attraktiver das Spiel wird. Welpen-Spielbilder haben ihren besonderen Reiz, da die Tiere sich noch ganz unbefangen und lebhaft miteinander befassen und kein Augenmerk auf den Beobachter mit der Kamera richten. Die erwachsenen Hunde können, wenn man sie oft als Fotomodelle einsetzt, zuweilen etwas kameramüde werden und reagieren dann nicht immer so lebhaft, wie wir uns das für unser Foto wünschen. Das Spiel lässt sich mithilfe der Begleitperson zwar manchmal etwas "ankurbeln", entwickelt sich aber größtenteils von alleine, so dass eine gute Portion Fotografenglück und bestens gelaunte Hunde für dieses Motiv erforderlich sind. Die fotografisch ideale Position zeigt eine möglichst klare Pose beider Hunde, bei mindestens einem der Protagonisten sollte der Kopf mit den Augen als Ausdrucksträgern gut zu sehen und zu erkennen sein. Ein wildes Knäuel aus Fellbüscheln und Gliedmaßen, bei denen man gar nicht zuordnen kann, was zu welchem Tier gehört, mag ein bizarres und vielleicht auch typisches Foto abgeben, sonderlich attraktiv sieht das aber meist nicht aus. Da man sich bei spielenden Hunden als Fotograf nicht gut auf einen bestimmten Moment vorbereiten kann, liegt das Geheimnis hier in Geduld, in einem blitzschnellen Reaktionsvermögen und reichlichem Gebrauch des Auslösers!

 

 

Abdrücken sollten Sie dann, wenn Sie das Gefühl haben, es ist eigentlich noch einen winzigen Sekundenbruchteil zu früh - das gilt für alle Bewegungsmotive.

 

Bei manchen Motiven muß man aufgrund technischer Gegebenheiten Kompromisse machen. Wird ein schwarzer Hund auf weißem Schnee abgelichtet, ist die Kontrastspannweite für die Kamera extrem. Hier muß man sich entweder mit einem zu dunklen Hund oder einem überbelichteten Schnee abfinden. Da der Hund als Ausdrucksträger größere Bedeutung für das Foto hat als der Hintergrund, empfiehlt es sich dennoch, 1/3 oder 2/3 Blenden überzubelichten und somit Wert darauf zu legen, dass der Hund nicht nur als schwarze Silhouette dargestellt wird. Gleiches gilt für den umgekehrten Fall eines weißen Hundes auf weißem Untergrund, also extrem geringer Kontraste. Da die Belichtungsautomatik Weiß nicht als reines Weiß, sondern als leichtes Grau abbildet, ist auch hier leichtes Überbelichten empfehlenswert. Über den Einsatz eines Aufhellblitzes war ja im vorhergehenden Artikel bereits die Rede.

 

 

Die Fotos auf diesen Seiten wurden alle mit einer Digitalkamera gemacht. Auch mit der neuen Technik sind schnelle Aufnahmen möglich, wenn man bestimmte Dinge beachtet, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden.

 

Für alle Bewegungsfotos gilt: Masse schafft Klasse. Drücken Sie nicht ein Mal auf den Auslöser, sondern bleiben Sie in Bewegung, folgen Sie den Hunden und machen Sie möglichst viele Fotos. Umso eher haben Sie später die Auswahl für einen "Superschuß".